FCI -
Standard Nr. 201 / 14. 09. 1992 / D
ÜBERSETZUNG : Frau
Michèle Schneider.
URSPRUNG : Italien.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES : 27. 11. 1989.
VERWENDUNG : Als Schäferhund wird er vor allem zum
Beschützen der Herden und zum Bewachen der Besitztümer verwendet.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 1 Hütehunde
und Treibhunde
(ausgenommen Schweizer
Sennenhunde)
Sektion 1 Schäferhunde
Ohne Arbeitsprüfung.
KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Diese alte Schäferhundrasse
geht auf Herdenschutzhunde zurück, die heute noch in den Abruzzen verwendet
werden, wo die Schafzucht auch in unseren Tagen noch mit Erfolg betrieben wird,
und auf die Hunde der Hirten, die vormals in den Maremmen der Toskana und der
Latiums lebten. Besonders nach 1860
begünstigte die Transhumanz der Herden von der einen Region in die andere eine
natürliche Vermischung der beiden ursprünglichen Rassen.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Der
Maremmen-Abruzzen-Schäferhund ist ein großformatiger Hund, kräftig gebaut, von
rustikalem Aussehen, dennoch majestätisch und typvoll. Seine Gestalt ist bei
mittleren Proportionen die eines schweren Hundes, dessen Rumpf länger ist als
die Widerristhöhe; er ist harmonisch gebaut, sowohl in Bezug auf die Größe
(Heterometrik = normale Verhältnisse zwischen der Größe und den verschiedenen
Körperteilen) als auch bezüglich der Profile (Alloidismus = Konkordanz zwischen
Kopf – und Körperprofil).
FCI-St.
Nr. 201 / 14. 09. 1992
WICHTIGE PROPORTIONEN : Die Kopflänge beträgt 4/10
der Widerristhöhe; die Fanglänge ist um 1/10 kürzer als die Schädellänge; die
Rumpflänge übertrifft die Widerristhöhe um 1/18. Die Brusttiefe beträgt etwas
weniger als die halbe Widerristhöhe (Beispiel : bei einem 68 cm großen Hund
beträgt die tiefe der Brust ungefähr 32 cm).
VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Seine Hauptaufgabe als Wach-
und Schutzhund für die Herden und alles Hab und Gut äußert sich in der Art, wie
er übertragene Aufgaben mit Umsicht, Mut und Entschlossenheit ausführt. Obwohl
stolz und jeglicher Unterwürfigkeit abgeneigt erweist er doch seinem Herrn und
seiner Umgebung eine ergebene Anhänglichkeit.
KOPF : In seiner Gesamtform ist der große und flache Kopf
konisch und erinnert an den eines Eisbären.
OBERKOPF :
Schädel : Der
Schädel ist recht breit, mit leicht gewölbten Seitenpartien. Im Profil ist er
ebenfalls konvex. Die oberen Begrenzungslinien von Schädel und Nasenrücken sind
leicht divergent, was die Konvexität des Profils bedingt. Die Augenbrauenbogen
sind mäßig ausgebildet, die
Stirnmittelfurche ist wenig ausgeprägt. Die Scheitelleiste ist kaum sichtbar.
Stop : Der
Stirnabsatz soll nur wenig betont sein. Der Winkel Nasenrücken-Stirn ist stets
weit geöffnet.
GESICHTSSCHÄDEL :
Nasenschwamm :
Ziemlich groß, auf der gleichen Linie wie der Nasenrücken, mit großen
Nasenöffnungen, feucht und frisch, schwarz pigmentiert. Von der Seite betrachtet darf er nicht über
die Vorderfront der Lippen vorstehen.
Fang : Er
ist um 1/10 kürzer als der Schädel. Im Bereich des Lefzenwinkels gemessen muss
seine Tiefe seiner halben Länge entsprechen. Nach vorne hin nimmt seine Breite
infolge der Konvergenz der Fangseiten fortlaufend ab, es bleibt aber dennoch
eine Plane Vorderfläche übrig; Die Region unterhalb der Augen ist leicht
gemeißelt.
Lefzen : Die
oberen Lefzen bilden, von vorne gesehen, mit ihrem unteren Rand dort wo sie
zusammenschließen einen Halbkreis mit sehr kleinem Radius. Sie sind wenig
entwickelt und bedecken gerade knapp die Zähne des Unterkiefers; so ist auch
der Lefzenwinkel wenig ausgeprägt. Dies hat zur Folge, dass das untere
seitliche Profil des Fangs nur in seinem vorderen Teil von den Lefzen bestimmt
wird; im hinteren Teil geschieht dies durch den Unterkiefer und den
Lefzenwinkel. Die Lefzenränder sind schwarz pigmentiert.
Kiefer / Zähne :
Robustes Aussehen, normal entwickelt, mit senkrecht eingesetzten und
gleichmäßig ausgerichteten Schneidezähnen, von richtiger Größe und in
kompletter Anzahl. Die Zähne sind weiß, kräftig; Scherengebiss.
Backen :
Mäßig sichtbar.
Augen :
Nicht groß im Verhältnis zur Größe des Hundes; die Farbe der Iris ist ocker
oder dunkelkastanienbraun. Auge in seitlicher Position; Augapfel weder
tiefgebettet noch hervortretend; Aufgeweckter und aufmerksamer Ausdruck.
Lidöffnung mandelförmig mit schwarzen Lidrändern.
Ohren : Sie
sind hoch über dem Jochbeinbogen angesetzt und hängend, aber sehr beweglich.
Sie sind dreieckig (V-förmig); ihr Ende läuft spitz zu und ist nie abgerundet;
im Verhältnis zur Größe des Hundes sind sie klein. Bei einem Hund mittlerer
Größe darf ihre Länge 12 cm nicht überschreiten. Der Ohr-Ansatz ist mäßig
breit. Das Kupieren der Ohren wird nur bei Hunden toleriert, die tatsächlich
als Herdengebrauchshund eingesetzt sind.
HALS : Das obere Profil ist leicht gebogen. Seine Länge
beträgt höchstens 8/10 der Kopflänge, d.h. der Hals ist immer kürzer als der
Kopf. Er ist dick, sehr kräftig und muskulös, stets ohne Wamme und von langem,
dichtem Haar bedeckt, das, besonders beim Rüden einen gut sichtbaren Kragen
bildet.
KÖRPER : Der Rumpf ist kräftig gebaut, seine Länge übertrifft
die Widerristhöhe um 1/8.
Obere Profillinie : Sie
verläuft gerade vom Widerrist bis zur Kruppe, welche jedoch leicht abfällt.
Widerrist :
Etwas aus der Rückenlinie heraustretend; er ist breit, da die beiden
Schulterblattspitzen auseinander liegen.
Rücken : Im
Profil geradlinig; seine Länge erreicht etwa 32% der Widerristhöhe. Die
Rückenlinie fließt harmonisch in die Lendenpartie über, welche ein leicht
gewölbtes Profil mit gut in die Breite entwickelten Muskeln aufweist. Die Länge der Lenden beträgt 1/5 der
Widerristhöhe, ihre Breite entspricht ungefähr ihrer Länge.
Kruppe :
Breit, kräftig und gut bemuskelt. Ihre Neigung zwischen Hüfte und Rutenansatz
beträgt ca. 20° zur Horizontalen; dieser Wert steigt auf 30° und mehr, wenn man
die Linie Ilium-Ischium zugrunde legt : aus diesem Grunde muss die Kruppe des
Maremmen-Abruzzen Schäferhundes als steil bezeichnet werden.
Brust : Sie
ist geräumig, bis auf Ellbogenhöhe herabreichend, tief und im mittleren
Bereicht gut gewölbt. Ihr Umfang muss die Widerristhöhe um etwa ¼ übertreffen;
auf halber Brusthöhe beträgt die größte Breite mindestens 32% der Widerristhöhe
und nimmt dann zunehmend nach unten hin ab, bleibt aber bis in die
Brustbeingegend recht geräumig. Die Brusttiefe muss der halben Widerristhöhe
entsprechen. Die Rippen sind gut gewölbt, liegen schräg und weit auseinander;
die letzten falschen Rippen sind lang, schräg und gut geöffnet.
Untere Profillinie und Bauch : Das
Profil Brustbein-Bauch ist gekennzeichnet durch eine lange Brustbeinpartie in
Form eines Halbkreisbogens mit sehr großem Radius, welcher zum Bauch hin sanft
ansteigt.
RUTE : Infolge der steilen Kruppe tief angesetzt; bei
normaler Haltung reicht sie über das Sprunggelenk. Während sie in der
Ruhestellung herabhangt, wird sie in der Bewegung in Höhe der Rückenlinie
getragen und ist am Ende ziemlich stark aufgebogen. Sie ist gut mit dichtem Haar versehen, ohne
Fransen.
GLIEDMASSEN
VORDERHAND : Von
vorne und von der Seite betrachtet ganz gerade und senkrecht gestellt.
Insgesamt gut proportioniert zum Körper; die einzelnen Teile der Vordergliedmaßen
passen harmonisch zueinander.
Schulter :
Lang, schräg und mit kräftiger Muskulatur; sie muss in ihren Bewegungen sehr
frei sein. In der Länge misst sie ungefähr ein Viertel der Widerristhöhe. Ihre
Neigung zur Horizontalen beträgt 50° 60°.
Oberarm : In
seinen beiden oberen Dritteln gut am Körper anliegend, mit kräftiger Muskulatur
versehen. Seine Neigung zur Horizontalen bewegt sich zwischen 55° und 60°;
seine Länge beträgt ca. 30% der Widerristhöhe. Seine Lage ist nahezu parallel
zur Medianebene des Körpers. Die Winkelöffnung Schulterblatt-Oberarmbein bewegt
sich zwischen 105° und 120°.
Ellenbogen :
Normal an der Brust anliegend, von weicher und lockerer Haut bedeckt. Sie müssen
parallel zur Medianebene des Körpers liegen; der Ellbogenhöcker muss sich auf
einer gedachten Senkrechten befinden, der von der hinteren Schulterblattecke
ausgeht. Die Winkelöffnung Oberarmbein-Speiche bewegt sich zwischen 145° und
150°.
Unterarm : Gerade
und senkrecht, mit kräftigem Knochenbau. Er ist etwas länger als der Oberarm
und nur etwas kürzer als ein Drittel der Widerristhöhe. Die Länge der
Vordergliedmassen vom Boden bis zum Ellbogen beträgt 52,8 % der Widerristhöhe.
Vorderfusswurzelgelenk :
Liegt in der senkrechten Verlängerung des Unterarms. Kräftig, trocken, glatt
und von guter Stärke; das Erbsenbein tritt deutlich hervor.
Vordermittelfuß :
Keinesfalls kürzer als 1/6 der Gesamtlänge der Vordergliedmasse. Er ist sehr
trocken, mit einem Minimum an Unterhautgewebe. Im Profil besehen ist er leicht
nach vorne schräg gestellt.
Vorderpfoten :
Groß, rundlich, mit geschlossenen Zehen, kurz und dicht behaart. Krallen
vorzugsweise schwarz, kastanienbraun wird toleriert.
HINTERHAND :
Allgemeines : Sowohl
von vorne als auch von der Seite betrachtet, korrekt senkrecht gestellt.
Insgesamt gut proportioniert zum Körper; die einzelnen Teile der
Hintergliedmassen passen harmonisch zueinander.
Oberschenkel :
Lang, breit mit hervortretenden Muskeln und mit leicht konvex gewölbtem
hinteren Rand. Seine Breite, von Rand zu Rand gemessen, erreicht ¾ seiner
Länge. Von oben nach unten und von hinten nach vorne ist er ein wenig geneigt.
Der Winkel Hüftbein-Oberschenkelbein beträgt ungefähr 100°.
Knie : Es
liegt völlig in der senkrechten Linie der Gliedmasse, weder nach außen noch
nach innen gedreht. Der Winkel Oberschenkelbein-Schienbein ist ziemlich weit
geöffnet und bewegt sich zwischen 135° und 140°.
Unterschenkel : Er
ist etwas kürzer als der Oberschenkel; seine Länge entspricht 32,5% der
Widerristhöhe. Seine Neigung zur Horizontalen beträgt etwa 60°. Der Knochenbau
ist kräftig, die Bemuskelung trocken, die Unterschenkelauskehlung sehr
ausgeprägt.
Sprunggelenk : Von
guter Stärke. Seine Außenseiten sind sehr breit. Der Sprunggelenkwinkel bewegt
sich zwischen 140° und 150°;
Hintermittelfuß :
Kräftig, trocken und breit. Seine Länge entspricht 30,9% der Widerristhöhe.
Eventuell vorhandene Afterkrallen müssen entfernt werden.
Hinterpfoten : Wie
die Vorderpfoten, jedoch mehr oval.
GANGWERK : Langer Schritt und verlängerter Trab.
HAUT : Am ganzen Körper gut anliegend; eher dick.
Schleimhäute und Nickhaut schwarz pigmentiert, ebenso die Sohlen- und
Zehenballen
HAARKLEID
HAAR : Sehr reiches
Fell. Lange Haare, eher rau beim Berühren; gut am Körper anliegend ähnelt es
einem steifen Rossmähnenhaar; eine leichte Wellung wird toleriert. Das Haar
formt einen beachtlichen Halskragen und
mäßig lange Fransen am hinteren Rand der Gliedmassen. Es ist jedoch kurz auf
Schnauze, Schädel, Ohren und der Vorderseite der Gliedmaßen. Auf dem Rumpf
erreicht das Haar eine Länge von 8 cm. Unterwolle ist nur im Winter reichlich
vorhanden.
FARBE :
Uniweiß. Die Tönungen Elfenbein,
Blassorange oder Zitrone werden toleriert, aber nur in beschränktem Masse.
GRÖSSE UND GEWICHT :
Widerristhöhe :
Rüden : von 65 bis 73 cm.
Hündinnen : von
60 bis 68 cm.
Gewicht : Rüden : von 35 bis 45 kg.
Hündinnen : von
30 bis 40 kg.
FEHLER : Jede Abweichung von vorstehender Beschreibung stellt
einen Fehler dar, der bei der Formwertbeurteilung nach Schwere und Ausmaß zu
strafen ist. Gleiches gilt für Hunde, die recht andauernd im Passgang laufen
und für solche, denen die Afterkrallen nicht
entfernt wurden.
AUSSHLUSSFEHLER :
Kopf :
Konvergenz der Begrenzungslinien von Schädel und Fang – ausgeprägter oder
entstellender Vorbiss.
Rute : über
dem Rücken eingerollt getragen.
Größe : Über
oder unter den vom Standard vorgegebenen Massen.
Gangart :
Hund, der andauernd im Passgang läuft.
DISQUALIFIZIERENDE FEHLER :
Aggressive oder ängstliche
Hunde.
Nasenspiegel :
Vollständig depigmentiert.
Nasenrücken :
Deutlich gewölbt oder konkav.
Augen :
Mäßige oder beidseitige Depigmentierung der Lider – Birkauge – beidseitiges
Schielen.
Kiefer :
Rückbiss.
Rute :
Schwanzlosigkeit oder Stummelschänzigkeit, gleichgültig ob angeboren oder
erworben.
Haar :
Gelockt.
Farbe :
Isabellfarbenes Haarkleid – deutlich abgesetzte isabell – oder elfenbeinfarbene
Flecken – schwarze Tönungen.
Hunde, die
deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen
disqualifiziert werden.
N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte
Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.